tollwut ...

... gab es nur zwei Jahre lang, von 1980 bis 1982.

... waren zu dritt und damals noch lange nicht volljährig.

... nahmen in dieser Zeit eine EP, eine LP, eine Split-LP auf und spielten 1980 drei Songs für den ersten aller Münchensampler ein: »amok«, »gewalt« und »türkenblues«. »amok« wurde von den Hörern des Bayerischen Rundfunks zum »Hit des Jahres« gewählt und ist bis heute ein deutscher Punk-Evergreen »türkenblues« wurde durch ein Mißverständnis zum Skandal und kostete die Band (fast) ihren Ruf.

... kleideten sich in Lumpenklamotten mit Jackson-Pollock-Plakafarben-Bemalung, Farbkreide, Ketten, Sicherheitsnadeln und Neonfetzen.

... waren 1980 und 1981 Gegenstand mehrerer Radiodokumentationen.

... spielten in Kellern, besetzten Häusern, autonomen Zentren und auf Festivals.

... lieferten mit Songs wie »nie wieder«, »keine chance«, »antisozial«, »schutt und asche«, »wer hat andi baader getötet« und »frieden im land« die Hymnen der aufkeimenden Antifa-Szene.

... waren für einen kurzen Moment die schnellste Band der Welt.

... wurden mit Wire und The Clash verglichen und zum Vorbild aller möglichen Bands von Abwärts bis zu den Ärzten.

... wurden lange nach ihrem Ende zu Idolen einer neuen Generation, die die Songs der Band auswendig konnte, ohne zu wissen, wer Tollwut überhaupt waren.

... waren eine Legende?

Oder sagen wir: tollwut waren drei Münchner Buben, die zusammen in die Schule gingen und 1978 eine Band gründeten, die sie 1980 tollwut nannten. Durch Glück und Zufall landeten sie auf den oben erwähnten Platten, konnten eine Reihe von Auftritten spielen, hatten ein paar gute Slogans zur Hand und lösten sich 1982 wieder auf, weil ihre Auftritte zunehmend in Gewalttätigkeiten ausarteten und es ihnen nicht gelingen konnte, aus der explodierenden Energie eine richtige Revolution zu machen. Die tollwut-Platten verschwanden in der Vergessenheit und wurden zu Sammlerstücken. Die drei Buben nannten sich später The Comics und machten weiter Musik, gingen aber Ende der 80er Jahre getrennte Wege. 1997 taten sie sich zu Ehren ihres verstorbenen Freundes Simon noch einmal zusammen, nahmen einen Song auf, spielten einen Auftritt, verweigerten sich aber einem »Revival«. Alle drei machen nach wie vor Musik, manchmal auch zusammen.

tollwut-Platten sind heute unwahrscheinlich teuer oder gar nicht mehr zu kriegen.

Doch: das Album »amok« enthält auf 50 Tracks alles Wesentliche, Wichtige und Interessante aus den Jahren 1978 bis 1982 sowie ein paar Tracks aus der Zeit danach und von der Reunion 1997, dazu ein Booklet mit Photos und der gesamten Bandgeschichte.

tollwut waren (und sind ...): Michi Sailer, Thomas Schindler und Oli Fischer.

Das Album »amok« erschien Anfang Mai 2000 auf Schlecht & Schwindlig.