dead city radio – "everything is so beautiful"

eine art information

 

MUSIC MUST CHANGE

Pete Townshend, 1978

 

SLOGANS MUST CHANGE

dead city radio, 1996

 

Experimente kennen die meisten deutschen Musiker aus dem Chemieunterricht: Man nehme zwei oder mehr bekannte Zutaten, rühre sie zusammen, und schon entsteht das, was im Lehrbuch steht.

Oder: Why is most of today’s Rock ’n’ Roll so irrelevant to most of today’s life? Weil "Rockmusik" heute nicht (mehr) lebt. Weil ihre Zutaten so alt sind wie die meisten sonstigen Nebensachen im großen Kabinett der Nostalgismen aus der Jugend unserer Elterngeneration. Weil Rockmusik in Deutschland gar nicht den Anspruch erhebt, zu leben. Weil man sich hierzulande brüstet, "professionell" und "schnörkellos" das zu reproduzieren, was man aus dem Radio kennt. Weil man nicht kapiert, daß es die Schnörkel sind, die Risiken, die auffälligen Ungewöhnlichkeiten und zufälligen Abwege, die Rockmusik zu dem gemacht haben, was sie einmal geworden ist.

Verzichten wir auf die üblichen Schuldzuweisungen und Erklärungsversuche (die Plattenindustrie verhindert Innovationen, als Musiker muß man auch leben, warum bewährte Rezepte verwerfen bla bla bla).

Hier ist Musik.

Das alles klingt zunächst sehr vertraut und gar nicht so anders oder/und neu, aber wie so oft täuscht der erste Eindruck. Unsere Songs sind keine "Kompositionen" im üblichen Sinn: Sie entstanden ad hoc, aus sich selbst, wurden während der Entstehung auf Band festgehalten und dann (mit notwendigen Präzisierungen) so gespielt, wie sie sich selbst "komponiert" haben. Um die Klarheit der Strukturen zu erhalten, haben wir auf jede Art synthetischer Töne (gesampelter oder sonstiger Ready-mades und elektronischer Erzeugungen) und Effekte (Hall, Echos, Räume, Verzerrer etc.) verzichtet. Was man hört, sind Saiten, Verstärker, Schlagzeug und Stimmen. Es lohnt sich daher, sich mit Musik und Text selbst zu beschäftigen.

Das Album "everything is so beautiful" wird Anfang November 2002 als gemeinsames Projekt von Aggressive Noise, Schlecht & Schwindlig und Rivolta Musica erscheinen.

Wir wollen nicht behaupten, daß wir eine Bedeutung haben. Dazu bräuchten wir Maßstäbe, die wir nicht besitzen. Im Gegensatz zu den Dingen, die in tausendfacher Wiederholung und Reproduktion die musikalische Welt der "Gegenwart" definieren, hat diese Musik keinen Platz, keinen Ort und keine Aufgabe. Wir können daher so tun, als würde es uns wirklich geben.

Was wir nicht sind: schnörkellos, professionell, treibend, bretthart, groovig, fetzig, klassisch, in bester Tradition, erdig, eingängig, locker, flockig, knackig, rockig, ehrlich, virtuos, knallig, engagiert, kompromißlos, druckvoll, spritzig, eigenständig, ausgereift, unverwüstlich usw.